Ein Dreivierteljahrhundert Seite an Seite

Das Ehepaar Josef und Elisaveta Schütt lebt im Alten- und Pflegeheim St. Anna und feierte seinen 75. Hochzeitstag

Josef und Elisaveta Schütt leben im Alten- und Pflegeheim St. Anna in Morbach und sind auch nach 75 Ehejahren noch glücklich an der Seite des anderen. Foto: Franziska Sprenger

25.11.2011

Morbach (fs). „So wie junge Leutchen sich damals eben kennenlernten, ohne Fernseher, ohne Radio, ohne Disco“ – so haben sie sich auch kennengelernt, erinnern sich Josef und Elisaveta Schütt. Damals, das war in den 30er Jahren in Semlac, einem Dorf im Westen Rumäniens. Man kannte sich seit Kindertagen und unternahm mit Freunden gemeinsame Ausflüge. Als sie heirateten, war Elisaveta 16, Josef vier Jahre älter. Heute, 75 Jahre später, sind beide über 90 Jahre alt und immer noch ein glückliches Ehepaar. Ihre Kronjuwelenhochzeit – so nennt man den 75. Hochzeitstag – feierten sie Mitte August im Alten- und Pflegeheim St. Anna, in dem sie seit sieben Jahren zu Hause sind.

Dass ein Ehepaar seinen 75. Hochzeitstag erleben darf, ist schon äußerst selten. Für die Ehe von Josef und Elisaveta war es aber noch unwahrscheinlicher. Denn als sie heirateten, stand Europa vor dem Zweiten Weltkrieg. Die Familie gehörte zur deutschsprachigen Minderheit in Rumänien und Josef Schütt wurde 1941 von den Deutschen zum Militärdienst eingezogen. Seine kleine Tochter Elisabeth war da gerade einmal zwei Jahre alt. Neun Jahre lang sollte er seine Frau und sein Kind so gut wie nicht sehen. Erst kämpfte er vier Jahre in Russland, dann musste er als Kriegsgefangener fünf Jahre Zwangsarbeit leisten. „Als mein Vater endlich nach Hause kam, habe ich ihn gar nicht gekannt“, erinnert sich seine Tochter Elisabeth Guth.

Die Familie lebte weiter in ihrem Haus in Semlac. Josef Schütt stellte Pferdewagen für die Landwirtschaft her, seine Frau war Schneiderin und nähte vor allem Brautkleider. Richtig wohl fühlten sie sich in ihrer Heimat aber nicht mehr. Wie zahlreiche Verwandte und Freunde vor ihnen, so wollte auch Familie Schütt nach Deutschland aussiedeln – die Einreisegenehmigung hatten sie schon in der Tasche. „Jahrelang haben wir auf eine Ausreisegenehmigung gewartet, aber erst nach dem Ende des Ceauşescu-Regimes konnten wir umziehen“, so die Tochter.

Einige Verwandte hatten sich bereits in der Region rund um Morbach niedergelassen, daher fiel die Wahl des neuen Lebensmittelpunktes nicht schwer. Rund 1.000 Kilometer entfernt von ihrer ursprünglichen Heimat, fühlen sich Josef und Elisaveta nun hier zu Hause, ebenso wie ihre Tochter und ihre Enkel. „Wir haben sehr viel mitgemacht“, so Elisaveta Schütt. Aber über die schlechten Zeiten wollen beide heute nicht mehr nachdenken, manches haben sie mit den Jahren auch vergessen – „Sein Kopf ist nicht ganz so lebendig geblieben“, neckt sie schmunzelnd ihren Mann. Durch die lange Trennung am Anfang ihrer Ehe haben sie sich als Eheleute erst nach seiner Rückkehr aus der Gefangenschaft so richtig kennengelernt. Geschadet hat das ihrer Beziehung aber nicht, betont Josef Schütt. Seine Frau und er wirken auch noch nach einem Dreivierteljahrhundert glücklich miteinander. Wolfgang Berg, der Leiter des Alten- und Pflegeheims St. Anna, freut sich, dass es dem Ehepaar so gut geht. „Wir sind beeindruckt, wie liebevoll sie bis heute immer auf einander achten“, berichtet er. Möglicherweise ist ja genau das das Geheimnis eines langen Lebens und einer erfolgreichen Ehe. Josef Schütt blickt jedenfalls zuversichtlich in die Zukunft: „Was noch kommt, das werden wir sehen.“ Und wer weiß, vielleicht darf man in fünf Jahren wieder in Morbach gratulieren.

Marienhaus Seniorenzentrum St. Anna Morbach

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54497 Morbach
Telefon:06533 955-00
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